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Vom Leben zwischen den Räumen

Client: FH JOANNEUM
Date: 2017
Services: Fotografie, Konzeption

Vom Leben zwischen den Räumen

Kurz zum Inhalt

Im Text “Vom Leben zwischen den Räumen” von Florian Rötzer geht es ums Thema Raum, und wie sich die Wahrnehmung und der gesellschaftliche Umgang mit Raum im Laufe der Zeit durch den Einfluss der digitalen Medien verändert hat. Durch die permanente Koppelung an Medien kommt es zu einer Verknüpfung vom fernen und realen Raum. Der Mensch hat den starken Drang, den eigenen, realen, körperlichen Nahraum in dem er sich befindet verlassen zu können und durch Kommunikationsmedien in virtuelle Räume einzutauchen. Dadurch werden ästhetische Reize, Details, das eigene Gegenüber und andere Szenen unserer unmittelbaren Umgebung kaum, oder nur noch beiläufig wahrgenommen.

Gemeinsam mit Elisa Gostner setzten wir dieses Thema als Fotoprojekt um.

Konzept

Wir haben uns für die Technik der Doppelbelichtung entschieden, weil es in unseren Augen exakt dieses Phänomen der räumlichen Verdichtung darstellt. Es verkörpert das Leben zwischen den Räumen, die räumliche Ablenkung und der dauerhafte Drang den eigenen, realen Raum durch die digitalen Medien verlassen zu können. Alles passiert gleichzeitig, alles verschwimmt und wir können zwischen real und virtuell oft gar nicht mehr unterscheiden bzw. funktioniert das eine ohne dem Anderen kaum mehr. Wir haben uns für die analoge Umsetzung entschieden, weil die Doppelbelichtung aus der Analogfotografie stammt und weil das Analoge schon wieder so einen besonderen Stellenwert hat und mehr auffällt als das Digitale. Durch das Smartphone nehmen wir die Welt „nur“ noch in Hochformat wahr, deshalb unsere Entscheidung gegen das klassische Querformat.

Umsetzung

Anhand von 5 Bildern stellen wir Situationen eines ganz normalen Tagesablaufes dar in denen wir uns auf das Handy fokussieren und die reale Umgebung kaum mehr wahrnehmen. Diese ständige Halbaufmerksamkeit und die dauerhafte Aufforderung zum Multitasking zu der uns unser kontinuierlicher Griff zum Handy zwingt, war uns wichtig aufzugreifen. Wir haben in den letzten Tagen extra aufmerksam darauf geachtet wann und wo wir zu unserem Handy greifen. Bei unserem täglichen Weg zur Uni, den wir bereits schon über 2 Monate machen haben wir nun ohne Handy wirklich einige neue Dinge entdeckt, die uns noch nie aufgefallen sind. Das erste Foto der Doppelbelichtung ist immer der Blick aufs Handy und das zweite ist die Umgebung, der Inhalt, die Emotionen, Personen, etc. die dadurch verloren gehen oder vernachlässigt werden.

Veröffentlicht in:
Werner Fenz, Evelyn Kraus, Birgit Kulterer (Hg.): Kunst im öffentlichen Raum Steiermark. Projekte 2010. Wien (Springer-Verlag) 2012.

Florian Rötzer – Vom Leben zwischen den Räumen

Wer sich nur im Hier und Jetzt bewegt, ist arm dran und bedauernswert auf sich selbst zurückgeworfen

Städte und ihre Räume wachsen unaufhörlich weiter, wenn auch nicht unbedingt mehr überall in den alten Industrieländern. In den letzten 40 Jahren hat sich die Weltbevölkerung verdoppelt und wird weiter wachsen, zugleich hat sich die Zahl der Städte vermehrt. 1950 lebten von 2,5 Milliarden Menschen erst 30 Prozent in Städten, 2030 werden es bereits 60 Prozent sein, allerdings von 8,3 Milliarden.

Entsprechend sind auch die urbanen Räume gewachsen, in denen herkömmliche Städte mitsamt ihrer verdichteten räumlichen Struktur, den öffentlichen Räumen und dem städtischen Leben nur noch eingelagerte Inseln sind. In den letzten Jahrzehnten sind neue Gebilde, riesige urbane Korridore entstanden, in denen Megacitys, Städte und ehemalige Dörfer und Siedlungen sowie landwirtschaftliche Flächen, Flüsse, Seen oder Hügel, Industrie-, Gewerbe- und Brachgebiete mit Transport- und anderer Infrastruktur von Straßen über Häfen und Kanäle bis hin zu Strom-, Wasser- und Abwasserleitungen zusammenwachsen. Es entsteht ein durch und durch künstlicher Raum, eine künstliche Landschaft, die nur in wenigen Teilen, meist in den Zentren der Städte ästhetisch gestaltet ist und ansonsten ein neuer Lebensraum, der es notwendig erscheinen lässt, aus ihm medial und virtuell herauszutreten, oder der so langweilig und öde nur entstehen kann, weil wir uns sowieso nur noch zeitweise in ihm aufhalten oder stets auf dem Sprung sind. Das beschränkt sich keineswegs auf die Nicht-Orte der Transportinfrastruktur wie Bahn- oder Flughäfen, sondern auf einen großen Teil des sogenannten Urban Sprawl, wo Urbanität, wie man sie sich romantisch träumt, nicht zu finden und wo der öffentliche Raum nur ein funktionaler Durchgangs-, aber kein Aufenthalts-, Versammlungs- oder Flanierraum ist.

Das mobile Internet, die Smartphones, das Prinzip des Always On und des Evernet sind mit einer rasanten Geschwindigkeit in das Leben eingebrochen und werden den Aufenthalt im Raum weiter verändern. Die mobile Revolution geht zudem auch noch einmal schneller vonstatten als die an PCs und Notebooks gebundene Internetrevolution, die vor 20 Jahren mit dem WWW und dem Browser einsetzte, also einem intuitiv bedienbaren Fahrzeug für die virtuellen Räume. Mittlerweile sind große Teile der Welt, selbst relativ entlegene und locker bevölkerte Gegenden, zu einem gemeinsamen Raum, zu einer globalen Stadt geworden.

Die Dynamik des Neuen und des Fortschritts wird seit 10.000 Jahren von der Kultur der Städte und aus den Städten heraus angetrieben. Städte haben nicht nur die räumliche Verdichtung, die Massierung an Menschen, Wissen, Macht und Waren sowie die Heterogenität und Anonymität erfunden, also die kulturellen Brutreaktoren, sie waren auch fast von Beginn an Knoten in einem urbanen Netzwerk, in dem Ressourcen, Produkte und Informationen zirkulierten, das die Grenzen der jeweiligen Lokalität sprengte und auch immer den kreativen und destruktiven Minderheiten einen Platz bot, die Normen zersetzten und Innovationen schufen.

Die Kommunikationsmedien, angefangen von der Schrift bis hin zum mobilen Internet, sind in den Städten entstanden und haben die räumliche Verdichtung weiter getrieben – in die der Datenräume und -flüsse. Die Stadt als räumliche Verdichtung hat sich in den elektronischen Schaltungen der Computer fortgesetzt, die ihre Geschwindigkeit und Leistungsfähigkeit mit der Miniaturisierung steigerten, also auch wieder durch eine räumliche Verdichtung, die nun so weit geht, dass die einstigen Computermonster zunächst zu PCs, dann zu Notebooks und PDAs, jetzt zu Netbooks und schließlich zu Handys mutierten, die in jede Hosentasche passen. Mit den Handys haben sich die Menschen auch mit Mikrofonen und Kopfhörern verbunden, demnächst werden immer mehr Menschen mit Datenbrillen herumlaufen und natürlich auch arbeiten, mit denen sich Daten, Bilder und Informationen über die Welt legen und direkt auf die Netzhaut projiziert werden, anstatt sie nur auf einem Bildschirm zu haben. Zudem können mit den Augenbewegungen die Informationen interaktiv gesteuert werden, Maus, Tastatur, Touchscreen und andere Schnittellen treten zurück, die Hände werden frei, die Augen lösen sich vom Bildschirm, reale und virtuelle Welt verschmelzen.

Wir sind bereits einen Großteil unserer Wachzeit, gleich ob in der Arbeit, in der Ausbildung oder in der Freizeit, deren Grenzen immer weiter verschwimmen, an Medien gekoppelt, oft auch durch Multitasking gleichzeitig an mehrere. Das bedeutet, dass wir uns mindestens in zwei Räumen aufhalten, nämlich in dem, in dem sich unser Körper befindet, und in dem, in dem wir über Medien mit anderen Menschen kommunizieren oder handeln. Öffentlich oder mehr oder weniger privat können wir uns sowohl im realen als auch im virtuellen Raum aufhalten und mit dem Durchbruch der Smartphones auch bewegen. Dabei können wir uns über Telepräsenz- und Telemotorik, beispielsweise durch ferngesteuerte Roboter, auch gleichzeitig in mehr als einem realen Raum bewegen, indem wir uns mittels der Schnittstellen durch den virtuellen Raum hindurch in einem entfernten Raum mittels eines materiell verkörperten Stellvertreters oder Fernlings befinden und auch materielle, irreversible Aktionen durchführen können. Das ist mittlerweile Alltag für diejenigen Menschen geworden, die Kampfdrohnen in Afghanistan oder Pakistan steuern und damit Menschen aus Tausenden von Kilometern Entfernung jagen und töten.

Kaum wird reflektiert, wie komplex die Koordinationsleistungen sein können, die notwendig sind, um sich gleichzeitig in verschiedenen Räumen aufzuhalten und möglicherweise auch in verschiedenen Verkörperungen. Zwar wurde von den Menschen seit den ersten religiösen und kulturellen Versuchen, die Imagination und auch die Anwesenheit des Fernen im realen Raum zu verwirklichen, die Koordination zwischen Nah- und Fernraum trainiert, aber erst mit den digitalen Medien und dem Eintritt in die virtuellen Welten ist die Suche nach einer Beherrschung des Lebens an Schnittstellen alltäglich und allgegenwärtig geworden. Nur auf den ersten Blick banal mag erscheinen, wie man in einem öffentlichen Raum privat mit einem entfernten anderen in Wort und/oder Bild kommuniziert, während die übrigen Anwesenden zuhören oder auch zusehen, die wiederum lernen müssen, wie sie sich verhalten sollen, wenn der körperlich Anwesende die Öffentlichkeit als Bühne benutzt, um mit einem Entfernten zu kommunizieren. Oder wie sollen sich in einem öffentlichen Raum körperlich Anwesende zueinander verhalten, die sich gleichzeitig im virtuellen Raum befinden und dort surfen oder kommunizieren. Die räumliche „Ablenkung“, die man auch gerne Multitasking nennt, wird auch allgemein zu einem Problem der geteilten Aufmerksamkeit, die durchaus, etwa beim Gehen oder Fahren, gefährlich werden oder die Leistung in einem Raum beeinträchtigen kann, in den fortwährend Informationen oder Rufe aus einem anderen Raum eindringen.

Natürlich aber sind solche Gegenüberstellungen von verschiedenen Räumen nur ein Konstrukt. Im Alltag leben wir in einer Informationsumwelt, in der die unterschiedlichen Räume längst verschmolzen oder übereinandergelagert sind, auch wenn wir höchst unterschiedlich in den verschiedenen Räumen oder Wirklichkeiten präsent sein können. So kann beim Skypen, beim Eintauchen in den virtuellen Raum eines Computerspiels oder auch beim Fernsehen die Aufmerksamkeit fast vollständig aus dem Raum abgezogen sein, in dem sich unser Körper befindet, während sich beim Musikhören der Raum, in dem man sich befindet, verwandelt, andere Geräusche und Stimmen ausgeblendet werden und man sich auch so in eine andere Welt katapultiert, was immer mehr Menschen machen, wenn sie sich mit Kopfhörern durch den öffentlichen Raum bewegen.

Mit der permanenten Ankoppelung an Medien treten alle mittlerweile bekannten Effekte der Abhängigkeit auf. Wir werden verstört und beunruhigt, wenn wir plötzlich einmal, ohne dies zu wollen, den Alltag ohne Medienanschluss bewältigen sollen. Unser Leben findet eingebettet in Medien statt, in deren virtuelle Räume haben wir Teile unserer Gedächtnis-, Orientierungs- und Wahrnehmungsfunktionen ausgelagert. Abgeschnitten vom Internet, dem Handy oder den Navigationsräumen werden wir inmitten der Städte und ihrer Menschenmassen zu einsamen und verlorenen, von der Wirklichkeit abgekoppelten Menschen. Dafür wurde auch bereits eine neue psychische Störung beschrieben: die Information Deprivation Disorder oder die Informationsentzugstörung. Vom Informationsfluss abgehängt zu sein, lässt das Gefühl entstehen, aus der Welt zu fallen oder mit ihr nicht mehr verbunden zu sein.

Verstärkt hat die Abhängigkeit von Medien vor allem, dass sie nun wie die MP3-Player, das Netbook und natürlich die Smartphones überallhin mitgenommen werden können. War man vor den Handy-Zeiten kaum erreichbar, wenn man außer Haus war, so ist man dies nun immer und überall und kann mit dem Informations- und Kommunikationsfluss mitschwimmen. Einsamkeit in diesem Sinne gibt es nicht mehr, auch das Wegsein ist verschwunden, die räumliche Distanz trennt nicht mehr, stets ist man ein- und angebunden, teilweise auch hörig. Schon mit den MP3-Playern hat man immer die Stimme von anderen Menschen bei sich, wird man also irgendwie angesprochen, ist man sozial eingebunden, was Smartphones und Kommunikationsdienste wie Twitter, Facebook, Chats oder E-Mails noch verstärken.

Ohne Medien unterwegs zu sein, heißt für viele, allein zu sein, den Kontakt mit Freunden und der Familie verloren zu haben, auch wenn man im Nahraum unter Menschen ist. Man ist nicht mehr allein oder als Gruppe unterwegs, sondern stets inmitten einer Wolke von Kontakten, Freunden, Informationen, die zudem oft wichtiger sind als das, was vor einem in der räumlichen Nähe ist. In dieser steckt man zwanghaft wie in einem Futteral oder in seinem eigenen Körper, während die Ferne nicht nur immer das Versprechen mit sich trägt, dass es anders sein könnte, sondern auch, dass man etwas verpassen könnte, weswegen man es schnell virtuell ergreifen und festhalten muss. Gegenüber dem Zwang der räumlichen und körperlichen Nähe sind Virtualität und Ferne auch immer eine Option, mithin ein Freiheitsversprechen; ähnlich wie die Menschen schon immer davon träumten, ihren fleischlichen Körper verlassen zu können, der an die Erde bindet. So wird man aus dem Nahraum, in dem man sich mit seinem Körper befindet, herausgezogen und ist tendenziell schon immer woanders, was auch auf die Präsenz in diesem Raum zurückwirkt.

Wichtig ist auch, dass man permanent am Informationsfluss bleibt, orientiert ist. Aber hier unterscheidet sich diese Generation von den älteren doch erheblich, was manchen Medienbetreibern gar nicht gefallen wird. Treue zu Nachrichtensendungen oder Nachrichtenquellen schwindet, was wenig verwunderlich ist, weil man im Internet schon lange die Praxis eingeübt hat, nicht nur ein Medium zu besuchen, sondern sich über Surfen bei unterschiedlichen Medien zu informieren oder gleich News-Aggregatoren zu benutzen, die anhand bestimmter Kriterien die News aller Medien bündeln und mit Schlagzeilen präsentieren. Twitter und Facebook haben diese Komprimierung nur noch weiter vorangetrieben, da auch hier jede Information nur in kleinen Happen weitergereicht oder erhalten werden kann. Woher die Informationen stammen, ist nicht mehr so wichtig, so die Autoren einer Studie, auch der Unterschied zwischen Nachrichten und anderen, etwa persönlicheren Informationen verschwindet oder wird unbedeutend. News erhält man oft über Freunde durch die sozialen Netzwerke, beispielsweise bei Twitter, wo persönliche Informationen von Freunden und Tweets von Organisationen, Medien oder Menschen, denen man folgt, durcheinandergemischt an einem vorbeiziehen.

Die Menschen, die Jugendlichen zumal, müssen auf vielen Bühnen tanzen. Während die alte Generation vor allem vor Ort präsent war, ist die Welt schon recht viel komplexer geworden. Man muss auch in sozialen Netzwerken, und nicht nur in einem, zu finden sein, sich interessant machen. Diese Bühne gilt es ständig zu bedienen, selbst wenn man gleichzeitig auf der Bühne des öffentlichen Raums in den Städten steht. Mitunter hat man den Eindruck, dass es gerade bei der körperlichen Präsenz im öffentlichen Raum zur Norm wird, mit dem Smartphone, dem Netbook oder anderen Geräten an den Fernraum angekoppelt zu sein. Wer sich nur im Hier und Jetzt bewegt, ist arm dran und bedauernswert auf sich selbst zurückgeworfen, so ließe sich der dahinterstehende soziale Druck zur permanenten Ankoppelung formulieren.

War es früher schon anstrengend, seinen Körper und sein Verhalten mitsamt den Dialogen im realen Raum zu inszenieren, so müssen jetzt zusätzlich die virtuellen Räume auch noch bedient werden – und möglicherweise soll auch noch ein Avatar designt und gesteuert werden. Dass da kein Platz bleibt für eine lange und überlegte, sich immer mal wieder durchkreuzende, neu beginnende reflexive Gedanken- und Mitteilungsarbeit, liegt auf der Hand. Das ist die Kunstform der Vergangenheit, einer sicher großen Kultur, die große, andauernde Konzentration beim Schaffen und beim Rezipieren verlangte, in der es um große Bögen und oft lange, ineinander verschachtelte Sätze ging. Heute bewegen wir uns in der Welt wie in einem Computerspiel, in dem wir auf die Umgebung und ihre ästhetischen Reize ebenso nur beiläufig achten können wie auf die anderen Menschen.

Es geht um schnelles Handeln und Reagieren, viel schneller und präziser, als dies die vorhergehenden Generationen konnten. Das orientiert sich an einer anderen Ästhetik, nicht der des klassischen Zuschauers und Zuhörers, der vor einer anderen, distanzierten Wirklichkeit steht, vor einer Bühne, in deren Geschehen er nicht einwirken soll und darf, sondern an einer interaktiven Ästhetik, direkt, schnell wie ein Boxkampf, was eine äußerst angespannte Aufmerksamkeit verlangt, einem Rennfahrer vergleichbar, der durch schwieriges Gelände stets nur auf den Augenblick reagieren kann, aber nicht mehr in die Zukunft sieht, geschweige denn kontemplativ betrachtet, wo er sich befindet. Hinsichtlich der Kommunikation ist das Schweigen in den sozialen Netzwerken, das Ausbleiben der Pings, die Katastrophe, die sich freilich stets überdecken lässt, weil ja immer irgendwo etwas los ist.

Ohne das permanente Eintreffen von Meldungen empfinden wir uns schon auf einem von der Welt abgeschnittenen Eiland, fern der Wirklichkeit, nicht auszuhalten. Das aber ist kaum eine neue Situation. Der Horror Vacui, die soziale Isolation, war auch früheren Generationen nicht fremd, allerdings könnte sie sich nicht wegen der Kommunikations- und Informationsmedien, sondern wegen unserer Lebensweise verstärkt haben. Während früher die Einsamkeit und das Eintauchen in Anonymität in den Großfamilien und den sich überwachenden Nahgemeinschaften auch eine Befreiung gewesen sind, ist den Angehörigen der Kleinfamilien und den Singles die Einsamkeit kein Gewinn mehr, sondern eine Bedrohung, zumindest aber etwas, das sowieso Teil ihrer Lebenswirklichkeit ist.